31. Mai 2026: Zeitz
Zeitz, Internationale Bauhaus Summercamp 2026 „Irregular Circularities“
Beginn, Ortsadresse
Freier Eintritt
Mit anschliessender Diskussion mit den Veranstaltern und Filmemacherinnen





Unter der Oberfläche
Kino in Bewegung zu Gast bei der Bauhaus Summer School:
künstlerische Dokumentationen und filmische Essays zu Ausbeutung und Transformation von Ressourcen.
Im Rahmen des Internationale Summercamp 2026 „Irregular Circularities“ versammelt dieses Filmprogramm künstlerische Arbeiten, die sich mit Formen der Ausbeutung, Rohstoffgewinnung und ihren Einschreibungen in Landschaft, Körper und Geschichte auseinandersetzen. Von historischen Bildwelten des Bergbaus über die verborgenen Archive radioaktiver Erde bis hin zu globalen Lieferketten von Kohle und Silizium untersuchen die Filme, was unter der Oberfläche liegt — materiell, politisch und ökologisch. Dabei entstehen vielschichtige Perspektiven auf industrielle Transformation, postsozialistische Räume und die anhaltenden Verflechtungen von Technologie, Umwelt und globaler Ungleichheit.
Kino in Bewegung ist eine Leipziger Initiative, die zusammen mit lokalen Engagierten seit 2019 Filmveranstaltungen in verschiedenen Orten in Sachsen organisiert. Das Projekt will einen wechselseitigen kulturellen Dialog zwischen urbanem und ländlichem Raum durch unmittelbare Begegnungen herstellen. Die Vorführungen sind mit moderierten Filmgesprächen verbunden, die ausgehend von den konkreten Filmen Diskussionen über Haltungen, Bedürfnisse und Werte anstoßen.
FILME
AUSBEUTUNG, ODER WIE MAN DIE OBERFLÄCHE DURCHBRICHT
Clemens von Wedemeyer, Paula Ábalos, Emerson Culurgioni, Charlotte Eifler, Deborah Jeromin, Mikhail Tolmachev | Deutschland 2020 | 12 Min.
Ausgangspunkt ist der Annaberger Bergaltar (Hans Hesse, 1521), der den bergmännischen Alltag im Erzgebirge festhält. Über eine Restauratorin als Protagonistin befragt die Arbeit der Klasse Expanded Cinema (HGB Leipzig) die Zusammenhänge des Gemäldes in der Gegenwart — Ausbeutung, Oberfläche und das, was darunter liegt, historisch wie im wörtlichen Sinne.
LEUNA
Emerson Culurgioni, Jonas Matauschek | Deutschland 2014 | 14 Min.
1916 gegründet, ist LEUNA bis heute einer der zentralen Standorte
fur die chemische Grundstof-produktion in Deutschland. Bis zum Zerfall des Sozialismus waren hier uber 30.000 Menschen beschäftigt, heute sind es noch etwa 7.000. Diese Leere, die durch Strukturschwächen der Region verstärkt wird, ist Ausgangspunkt des Films. Durch Modernisierung und Automatisierung in allen Bereichen industrieller Produktion fungiert der Mensch zunehmend nur noch als Kontrollinstanz. Die körperliche Arbeit wird durch das Sehen, Prüfen und Überwachen ersetzt. Der Film übernimmt dieses Prinzip und untersucht, im Verlauf eines Tages, die jeweiligen Blicke und Standpunkte seiner Protagonisten. Das Spektrum reicht von einer Kinderzeichnung über die Subjektive eines Jägers bis zum Überblick
des Inspekteurs einer Windkraftanlage. In ihrer jeweiligen Perspektive sind sie isoliert und werden visuell im Raum des Films nur durch das allgegenwärtige Feuer der Industriefackel von LEUNA zusammengehalten.
Huellas de Carbón (Coal Traces)
Simón Jaramillo Vallejo | 9 Min
The short film is a trail of open scars; a cartography of the despoilment of La Guajira’s body. Through a lens that fractures and recomposes the landscape, I seek the clash between two worlds: that of „progress“ that devours the earth and that of a territory that resists being merely an inventory. It is a journey through the backbone of coal, a poignant question thrown from a distance. How much silence and how much thirst from the Global South are needed to sustain the glow of someone else’s well-being?
El Cerrejón in La Guajira, Nordkolumbien — die größte Tagebaumine Lateinamerikas — war einst ein heiliger Hügel. Der Film verfolgt die Kohle von Barrancas über die einzige aktive Eisenbahnlinie des Landes bis zum Exporthafen Puerto Bolívar. Im Hintergrund steht ein strukturelles Paradox: Deutschland importierte ab 2022 kolumbianische Kohle als Ersatz für russisches Gas und plant gleichzeitig, den eigenen Abbau bis 2030 zu beenden.
SUNSHINE BELT MACHINE
Su Yu Hsin | Deutschland/Taiwan 2026 | 15 Min.
Dritter Teil der Trilogie Particular Waters. Nach 18 Monaten Archivrecherche in Brandenburg und Sachsen verfolgt Su Yu Hsin die verborgene Silizium-Wertschöpfungskette: von durch Bergbau transformierten Landschaften bis zur wasserund stromintensiven Mikrochipproduktion im „Silicon Saxony“. Der Film macht sichtbar, was technologischer Fortschritt an ökologischen Kosten in die Erde einschreibt.
SONNE UNTER TAGE
Mareike Bernien, Alex Gerbaulet | Deutschland 2022 | 38 Min.
Von 1946 bis 1990 baute die Wismut in Sachsen und Thüringen unter strikter Geheimhaltung Uranerz für das sowjetische Atomprogramm ab. Der Film folgt dieser Spur durch heutige Landschaften und in den Boden als Archiv — mit Gesprächen, Archivmaterial und filmischen Experimenten, bei denen der Boden selbst den Film belichtet. Uran kehrt immer wieder: als Krebs, als Wolke aus Tschernobyl, als Strahlung unter den bewachsenen Halden.
