19. Mai: Auftakttreffen in Leipzig

Am 19. Mai 2019 haben wir in Leipzig unser Projekt anderen Initiativen und Kulturschaffenden aus Sachsen vorgestellt. Anwesend waren sowohl verschiedene Kulturinitiativen des ländlichen Raums, als auch aus Sachsen sowie Angehörige der Kunsthochschule HGB. Durch den Abend haben wir mit Gesprächen mit den Regisseur*innen und einigen Beteiligten unserer Initiative geführt. Zu Gast waren die Regisseur*innen Olaf Held, Juliane Jaschnow, die Initiatoren unseres Projekts Carsten Möller und Clemens von Wedemeyer sowie Ani Renker vom Filmverband Sachsen. Wir haben folgende Kurzfilme gezeigt und diskutiert:

(1) Dunkeldeutschland (Juliane Jaschnow/ Stefanie Schröder, 2015)

Thematisch interessant war für uns bei diesem experimentellen Film über die Filmentwicklungsfirma ORWO in Bitterfeld-Wilfen die Beziehung zwischen Schwarz-Weiß-Film und einer schwarz-weißen Weltsicht. Der Film folgt dabei den Entwicklungsstufen eines schwarz-weiß Films. Dabei verbindet er die Dunkelheit während der Filmentwicklung in der Dunkelkammer assoziativ mit einer Orientierungslosigkeit durch Dunkelheit. Zudem gibt es viele Nahaufnahmen in dem Film, was zusätzlich zur Orientierungslosigkeit beiträgt. Dabei sucht der Film die richtige Distanz zu seinem Beobachtungsgegenstand zu finden.

Diese Nähe zum Beobachtungsgegenstand und dem daher fehlenden Überblick ließ sich gut mit der Beobachtung von politischer und sozialer Situation in der Gegenwart in Sachsen verbinden. In der letzten Szene des Films singen die Protagonisten von ihrer Situation: Dass sie in Vakerode angekommen sind und nicht arbeiten dürfen, und diese Situation zermürbend ist. Sie singen, dass sie arbeiten wollen und bitten darum, gehört zu werden.

(2) Germany ilu olokiki (Malte Frählich/ Maria Kindling, 2013)

Dieser Film zeigt den Alltag von Geflüchtete in einer Unterkunft im Dorf Vakerode. Der Film zeigt eine ungewöhnliche Perspektive auf die seit 2015 auch in Sachsen immer stärker politisch instrumentalisierte Einwanderung ausländischer Mitmenschen.

(3) Hier (Sandra Barth/ Katharina Knust, 2013)

Daran anknüpfend wird in „Hier“ ein anderes soziales Umfeld, das von Jugendlichen untersucht. Auch die Jugendlichen wissen nicht so richtig, wohin mit sich, scheinen nicht an der Gesellschaft teilhaben zu können. Gleichzeitig zeigen sie aber untereinander viel Zärtlichkeit und Solidarität. Der Film zeigt eine Ambivalenz zwischen Zukunftshoffnungen und tristem Alltag.

(4) Daheim (Olaf Held, 2011)

Diesen Film haben wir ausgewählt, da er das Thema der Beziehung zwischen Stadt und Land aufgreift: Der auf dem Land beheimatete Protagonist verliert seine Arbeit und zieht daraufhin in die Stadt. Dort ist er einer ganz anderen Tristesse und Einöde ausgesetzt, als der auf dem Land bei seinen Eltern. Der Film verarbeitet humorvoll die Clichés von Stadt und Land.

Mit dem anwesenden Regisseur Olaf Held haben wir auch über die Filmwerkstatt Chemnitz gesprochen, der er angehört, sowie die Bilder, die von Sachsen, sowie von Stadt und Land medial transportiert werden.

(4) Learning to Fly (Julia Charlotte Richter, 2011)

In „Learning to Fly“ sieht man einen Senioren-Männerchor, der Aufwärmübungen macht und schließlich das Lied „Learning to Fly“ singt. Auch hier gibt es eine Verquickung vom Thema der Überalterung sächsischer Kleinstädte und Zukunftshoffnungen. Den Rentnern wird hier (vermutlich, ohne, dass sie genau verstehen, was sie singen) ein modernes Lied zu singen gegeben, und so auch eine Anbindung an jüngere Generationen geschaffen.

(5) Der Große Gammel (Susann Maria Hempel, 2012)

Susann Maria Hempel hat eine sehr ungewöhnliche künstlerische Position: Sie lebt und arbeitet ausschließlich in Greitz, ihrem Heimatort. In diesem Film hat sie ein Theater in Greitz fotografisch dokumentiert und die Abzüge chemisch bearbeitet, bzw. zerstört. Sie setzt sich so mit dem Abriss des Greitzer Theaters — Konservierung und Verfall auseinander.

Dies war Anlass für uns über das Sterben von Kulturinstitutionen in ostdeutschen Kleinstädten und im ländlichen Raum zu sprechen.