3. August: Ostritz

In Ostritz haben wir ein Screening im Freibad veranstaltet. Die gezeigten Filme drehten sich alle um das Thema des Schwimmbads als einem sozialen Ort der Zusammenkunft. Wir regten eine Diskussion über das Freibad MEWA in Ostritz an. Das Freibad hat eine schwierige Finanzierungslage und war schon mehrfach kurz davor, geschlossen zu werden. Mit den Besucher*innen haben wir über die Wichtigkeit des Freibads vor Ort diskutiert.


Das Filmprogramm:

[ˈdʊŋkl̩ˌdɔɪ̯ʧlant] (Juliane Jaschnow und Stefanie Schröder, 13min, Deutschland 2015)

Es ist feucht in diesem Film: wir tauchen ein in die Welt der ORWO-Filmfabrik in Halle/Bitterfeld. Dort entledigt sich die ehemalige Industrieregion ihres industriellen Aussehens: Wellnesscenter breiten sich aus, Schafe grasen unter Solarpanels. Die subjektive Kamera sucht stolpernd nach der richtigen Distanz.

Immersion (Animationsfilm von Lalita Brunner, 3min, Schweiz 2016)

Ein Film über das Schwimmbad als sozialen Anspannungsort, aber auch als ganz persönlichen Entspannungsort. De Protagonist spürt beim Betreten eines Schwimmbads überall seine eigene Unsicherheit, auch wegen der Selbst- und Fremdentblößung. Er findet schließlich eine träumerische Ruhe im Wasser.

Baths (Animationsfilm von Tomasz Ducki, 4min, Polen, UK 2013)

Zwei ältere Damen treffen sich in einem Schwimmbad. Gemeinsam tauchen sie beim Schwimmen in Erinnerungen an frühere Zeiten und Wettkämpfe ab. Der Wettbewerbsgeist lebt in beiden fort, aber auch die verletzende Erfahrung des Verlierens.

Trockenschwimmen

(Susanne Kim, 77min, Deutschland 2016)

Wie kann man aus seinen alten, lange einstudierten Handlungsmustern ausbrechen? Ein paar Senioren versuchen dies: Sie wollen in hohem Alter noch Schwimmen lernen. Dabei bringen sie ihre je eigenen Geschichten und Traumata mit. „Schwimmen lernen heißt leben lernen.“ Der Wille, das Schwimmen zu lernen zeigt hier bei den Protagonisten selbst in hohem Alter eine lebensbejahende Einstellung. Aber der Ausweg aus den eigenen verbissenen Haltungen ist nie ganz leicht.

Für das anschließende Gespräch waren die beiden Regisseurinnen Juliane Jaschnow und Susanne Kim anwesend.

Juliane Jaschnow hat Bildende Kunst in den Bereichen Film und Fotogafie an der HGB Leipzig studiert. Ihr Film ist im Rahmen einer Masterclass des werkleitz in Halle entstanden. Sie ist auch Teil der Filmischen Initiative Leipzig FILZ. Die Initiative ist ein Zusammenschluss von Autor*innen, Filmemacher*innen und Künstler*innen.

Susanne Kim wurde in Dresden geboren und studierte Journalistik und Politikwissenschaften in Leipzig. Anschließend besuchte sie das European Film College in Dänemark. Ihre Filme leben auch von einer Durchmischung dokumentarischer Beobachtung mit fiktionalen Geschichten. Sie lebt und arbeitet in Leipzig.

Artikel in der Sächsischen Zeitung vom 5. August 2019

Hochschule bringt Kino nach Ostritz (Sächsische Zeitung, 29.07.2019 )